„How can we sleep while our beds are burning?“
Ist aus dem vorigen Jahrhundert.
Alle singen mit, keiner begreifts.
Trotz aller Rekorde wird dieser Sommer kühler sein als alle Sommer der Zukunft. „Der kühlste Sommer für den Rest unseres Lebens“ – eine schlimme Prognose. Was uns jetzt unerträglich erscheint, wird bald Normalität. Auch die bereits stattgefundene Gewöhnung an die immer schlimmer und immer früher im Jahr brennenden Wälder, was vor noch wenigen Jahren so eben nicht normal war. Es interessiert heute nur noch, wenn Touristen möglichst spektakulär gerettet werden müssen. Schuld ist eindeutig der Klimawandel. Die Politiker der Welt sollten diese Hitze, die ja auch sie am eigenen Leib spüren, als infernalische letzte Warnung verstehen: Es eilt. Klimaschutz, koste er, was er wolle, ist die wichtigste, dringendste und ja, sparsamste und ressourcenschonendste Aufgabe unserer Zeit.
Noch ist es nicht zu spät, aber unsere Politiker müssen verstehen, dass auch sie einer „Letzten Generation“ angehören. Nämlich derjenigen, die qua Amt noch etwas ändern kann durch Klimaschutz und Klimawandelanpassung. Das Klima innerhalb dessen unsere Zivilisation, die wir doch schätzen und in der wir gerne leben, fortbestehen kann, wird nicht mit den politischen Vorhaben von FDP und Union bewahrt werden. Denn, let’s face ist, das 1,5°C Ziel gibt es bereits nicht mehr. Lange gerissen. Es geht also nicht einmal mehr ums Schwitzen per se, so unangenehm das ist. Es geht um Lebensmittelsicherheit, sauberes Wasser, funktionierende Infrastruktur. Es braucht viel mehr Investitionen, und zwar schnell. Und viel mehr Mut sich nicht vor jeder Lobbygruppierung, und tritt sie noch so laut mit dickem Gefährt auf, ins Bockshorn jagen zu lassen. Und endlich die Einsicht, dass sinnvolle Investitionen in eine sichere Zukunft keine Schulden sind. Ein kaputtes aber schuldenfreies Haus ist auch unbewohnbar, oder?
Weder FDP noch Union, auch nicht die SPD, haben die Lage begriffen. Das „hirnverbrannte“ Einschlagen auf die Grünen wird sich bitter rächen. BSW und AFD sind der Zukunft nicht würdig, da sie das Thema komplett negieren. Populisten wie Söder, Aiwanger und Co. tragen zur Vergrößerung der Problematik nach Kräften bei.
Hitze ist nicht nur teuer, sie tötet auch durch Hunger und Armut. Daraus resultieren Flüchtlingsströme, die alles bisherige in den Schatten stellen werden. Mit Folgen für unsere Demokratie durch rechtsextreme Populisten, die außer Ängste zu schüren keinerlei Lösungen bieten.
Die aktuelle Rechnung der Klimakatastrophe? Mehrere Milliarden Euro, wie gesagt, Hitze ist teuer. Die Volkswirtschaft verliert, weil Menschen krank werden, weniger oder schlechter arbeiten. Weil Ernten ausbleiben und Flüsse austrocknen, die man als Transportwege braucht. Oder, etwa in Frankreich, die Stromversorgung gefährdet ist, weil Kernkraftwerke abgeschaltet werden müssen, weil die ausgetrockneten und überwärmten Flüsse kein Kühlwasser liefern. Weil Straßen neu geteert werden müssen und Klimaanlagen Strom fressen. Hinzu kommen Überschwemmungen, Waldsterben, Waldbrände und Hagelstürme, Regenereignisse, die sich so schnell formieren, dass sie in keiner Wetter-App auftauchen. Nach jedem Desaster muss man aufräumen. Die Weltwirtschaft schrumpft prognostiziert wegen des Klimawandels bis 2050 um etwa 20%, so das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung. Die volkswirtschaftlichen Schäden des Klimawandels: 38 000 000 000 000 Dollar. Zwölf Nullen, kein Tippfehler. Pro Jahr wohlgemerkt. Diese Rechnung ist, so das Potsdam Institut, sechsmal höher als die Kosten, die anfallen würden, um die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.
Wer heute knausert, steht ergo morgen vor einem Schutt- und Schuldenberg.
Meistens lamentiert man um Kosten und Zumutungen des Klimaschutzes und viel zu selten um die Kosten und Zumutungen des Klimawandels.
Natürlich wird der Umbau der Wirtschaft und des Landes viel Geld kosten. Aber dies sind Investitionen, die sich lohnen und eben keine Schulden. Und zwar nicht nur, um folgenden Generationen einen bewohnbaren Planeten sondern ein modernes und funktionierendes Land zu hinterlassen. Sinnvoller als etwa, um nur ein einziges Beispiel der verfehlten Politik aus vielen unionsgeführte Regierungen zu nennen, Wind- und Sonnenindustrien, in denen Deutschland Weltmarktführer war, kaputtzumachen, um dafür die Kohle zu subventionieren, anstatt die Kumpel umzuschulen oder früh zu verrenten. Was wesentlich günstiger, durchdachter und vor Allem wirtschaftlich zuträglicher und zukunftsfähig gewesen wäre.
Zögern und rückwärtsblicken ist doch teurer als Handeln. Wenn die Regierung aus Angst vor hohen Staatsausgaben Investitionen in den Klimaschutz vermeidet, sind Staatsschulden der Zukunft doch bereits vorprogrammiert. Regierungsverantwortung zum Wohle des deutschen Volkes bedeutet langfristig zu denken, auch hinsichtlich Lebensqualität der Bürger und nicht nur des Staatshaushalts. Der ohnehin vielen fragwürdigen Posten gute Steuermilliarden hinterherwirft. Aber das ist ein anderes Thema.
Zu den Aufgaben von Politikern zählt auch, dies all den Menschen zu erklären, die sich vor höheren Stromrechnungen fürchten und künftigen Generationen keine überbordenden Staatsschulden hinterlassen wollen. Wer vor den Populisten einknickt, unterschätzt die Intelligenz der Wähler, die durchaus in der Lage sind, wirtschaftliche Fakten zu verstehen: Schulden, die man macht, um die Zukunft zu retten, sind sehr viel sinnvoller als Schulden, die man machen muss, um dem jeweils aktuellsten Klimadesaster hinterherzuräumen.
Die Bundesregierung hat die Dringlichkeit entweder bisher nicht erkannt, oder sie schafft es nicht, ihre Erkenntnisse in Politik umzusetzen. Mit der Schuldenbremse spart sie Land und Klima kaputt.
Überall fehlt das Geld: Deutschland ist ja dank der Union längst nicht mehr Vorreiter hinsichtlich erneuerbarer Energien. Die Deutsche Bahn ist eine internationale Lachnummer.
Der Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft wird ohne Investitionen des Staates nicht funktionieren.