Kanzler Merz ist ja wahnsinnig stolz darauf, bei seinem Besuch im Weißen Haus nicht verhauen worden zu sein. Und das scheint ja bereits der neue Maßstab aller Dinge – die allerkleinste Erwartung aus einer Zeit, als die Welt noch normal tickte wurde erfüllt, also ein Riesenerfolg!
Man fragt sich zurecht, ob man mittlerweile angekommen ist in Orwells 1984, die Partei dem Volk suggeriert „what’s up is down“ oben also unten und „black is white“ sei. Also Tatsachen werden hemmungslos verdreht. Von der Regierung.
Passend dazu auch der Filmerfolg „Don’t look up“, in dem ein Wissenschaftler verzweifelt versucht die Menschheit auf einen allesvernichtenden Kometen hinzuweisen, Regierende aber aus persönlichen Eitelkeiten Rettungsversuche verhindern.
Eigentlich sollte man doch als erstes mal aufhören zu buddeln, wenn man dabei ist sein eigenes Grab zu schaufeln.
Wir aber sitzen dick und behäbig weiter auf dem Ast an dem wir sägen. Also weiter nach Absurdistan.
Die USA schaffen nun also die Wetterbehörden ab, schränken die Klimaforschung ein und machen generell der Wissenschaft das Leben schwer. Es ist also wie mit den drei Affen, nicht sehen, nichts hören und dann natürlich: nichts sagen.
Letzteres gilt aber natürlich für das Volk. Sonst droht Abholung. Und womöglich bald nach dessen Fertigstellung die Einbuchtung ins Alligator-Alcatraz. Glauben Sie nicht? Abwarten.
Leider ists ja nun so, dass alle „Trends“ aus den USA ihren Weg früher oder später auch zu uns finden. Und es geht schon los: Die neue Wirtschaftsministerin, bleibt abzuwarten, ob sie die schlechteste aller Zeiten sein wird, Habeck war es jedenfalls nicht, legt ja schon gut vor.
Wir haben scheints lieber eine Weinkönigin die die Kirchen angeht in einem der höchsten Staatsämter, die fleißig den Reichstag zum Zirkuszelt macht. Und das ganz ohne Regenbohnenfahne.
Da wird mal eben die Wahl des Obersten Gerichts gesprengt um Korruptionsschlagzeilen zu verdrängen.
Der „schwarze Metzger“ aus Bayern will das Tierwohllabel abschaffen, es darf frei gegüllt werden und vielleicht gibt es ja demnächst auch eine separate Treckerspur auf der Autobahn direkt vor den Reichstag. Infrastruktur und so. Dass so natürlich erwartbar nichts für Luft, Boden und Wasser, Ressourcen und Gütern der Allgemeinheit getan wird? WURRSCHT!
Na guten Appetit und viel Spaß beim Zahlen der Wasserrechnung.
Dass Dobrindt nach seiner Mautidee nun als Innenminister die EU endgültig zu begraben droht? Ach komm, was ist denn schon los in Brüssel?
Eigentlich sehr viel, steht man doch als Europäische Gemeinschaft sehr viel besser da, als Klein-Deutschland. Leider hat die Union in Gestalt der EVP auch dort den Untergang fest im Blick und mit der Ursula die beste Frau dafür am Start. Hier und da schwappt mal wieder ein Korruptionsvorwurf hoch, aber naja, kennen wir ja noch aus ihrer Zeit als Verteidigungsministerin.
Der Green Deal? Halb so wild, rein mit dem Rückwärtsgang.
Dafür darf man jetzt wieder mehr Wölfe bejagen. Weil angeblich einer Flinten-Uschis Pony gefressen hat.
Dass der Wolf im Aufbau intakter Ökosysteme eine Schlüsselspezies ist? Geschenkt für alle, die zuviel Rotkäppchen gelesen haben. Und apropos Schlüsselspezies: da wird ja neuerdings auch gegen Biber gehetzt, dabei renaturieren die Flüsse, ganz umsonst und besser als irgendwelche Ingenieure das je könnten. Und was bekommen sie dafür? In Amöneburg wurde eine Biberburg angezündet.
In Frankfurt werden große, alte Bäume, die Schatten und Kühlung für alle spenden, vergiftet. Die Hetze gegen die Natur trägt also schon eklige Früchte. Wollen wir wirklich so sein? Rückwärtsgewandt wider besseres Wissen? Die Menschen mit denen man es so zu tun hat sind doch gar nicht so dumm, wie kann das also sein? So fragt man sich und hat das Gefühl Sisyphos-Arbeit zu leisten.
Immer wieder schiebt man das Geröll den Berg hinauf um im letzten Moment dem Brocken beim Runterkullern zuzuschauen. Man hat doch manchmal wirklich das Gefühl blanker Verzweiflung darüber, dass die Menschen nicht begreifen wollen, dass die Ökonomie nun einmal nicht von der Ökologie zu trennen ist.
Vor über 50 Jahren gab es bereits zwei Bestseller, „Die Grenzen des Wachstums“ und „Stummer Frühling“ mit unerreicht riesigen Auflagen. Doch was ist passiert? Nicht mal Grillenzirpen, denn die sterben ja auch aus.
Wollen wir wirklich wie in China in den Bäumen herumkriechen und die Obstblüten selbst bestäuben? Ist nicht klar, dass die Art wie wir mit den Böden umgehen eine unmittelbare Rückkopplung dahin ist, dass es kaum noch regnet? Sind wir wirklich so wissenschaftsfeindlich geworden, dass wir uns von Populisten einreden lassen dass schwarz eigentlich weiß ist? Wenn man sich die Wahlen ansieht mag man das glauben, aber wo Leben ist, ist Hoffnung, auch wenn es kaum noch Ameisenstraßen gibt, viel weniger Vögel singen, es im Winter nicht mehr schneit.
Lassen wir uns doch nicht durch die Schalmeien dieser Menschenfänger betäuben, nur um wieder und wieder festzustellen, dass wir belogen wurden. „Früher war es auch schon warm“. Eben nicht. Ganz einfach durch Messdaten zu belegen.
Wenn einem also so richtig schön nach Aufgeben zumute ist, wenn man denkt den Menschen ist doch eh nicht zu helfen, die stehen halt auf Autoritätsschauspieler ohne Geist und Verstand, da fällt einem Albert Camus ein.
Es geht nicht darum, sich selbst in seiner Lage zu bedauern und die Situation zu verfluchen, sondern sie anzunehmen als die eine Aufgabe die man nun einmal zugeteilt bekommen hat und aus der es kein Entrinnen gibt außer das bekannte „das Beste aus der Situation zu machen“.
Die Anliegen einer lebenswerten Gesellschaft, des Naturschutzes und die Bewahrung der Demokratie gleichen heutzutage sehr oft gefühlt dieser Sisyphosarbeit. Aber man muss sich Sisyphos eben nicht unglücklich und verzweifelt vorstellen, wie er seinen Brocken den Berg hinaufschafft, immer und immer wieder. Sondern er hat eben dieses als seine Aufgabe angenommen. Es immer und immer wieder zu tun.
Aber er erledigt seine Aufgabe mit einem Lächeln auf den Lippen, einem Trinkhelm auf dem Kopf, wohlgefüllt mit einem guten Sauergespritzten. Und einem Joint zwischen den Zähnen.
Merlin Fleischhauer
Vorstandsprecherin GRÜNE Reichelsheim