Liebe Mitreichelsheimerinnen und Mitreichelsheimer,
in den kommenden Wochen möchten wir den Versuch starten, uns in unregelmäßigen Abständen mit dem Klimawandel unmittelbar vor unserer Haustür, also speziell unsere Gemeinde Reichelsheim betreffend, zu beschäftigen. Wir möchten hier nicht am ganz großen Rad drehen. Wir wollen an dieser Stelle versuchen, uns die Bedeutung der Erderwärmung ganz lokal in unserer kleinen Stadt vor Augen zu führen. Diejenigen, die sich für die großen und globalen Zusammenhänge interessieren, sind sicherlich durchaus informiert und nutzen Quellen wie Öffentlich-Rechtliche, überregionale Tageszeitungen oder spezialisierte Magazine.
Dieses Jahr 2023, so wird prognostiziert, soll das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden und mit kleinen Beiträgen an dieser Stelle soll konkret gezeigt werden, welche Auswirkungen davon in Reichelsheim zu spüren sind, abgesehen vom offensichtlichen Blick auf das Thermometer. Zu Jahresbeginn war der Winter zwar zu warm, wie seit einigen Jahren schon fast Routine, jedoch gab der ergiebige Regen doch Anlass zur Hoffnung, dass in diesem Jahr die Vegetation, die Gewässer, die Landwirtschaft eine Verschnaufpause bekommen würden.
Nach einem viel zu trockenen Mai und einem ebenso quasi niederschlagsfreien Juni lässt sich die Wassersituation aber bereits vor dem kalendarischen Sommerbeginn dramatisch an. Sogenannte ‚Blitzdürren‘ verzeichnen wir nachgewiesen seit rund zehn Jahren bei uns in Deutschland – ein Land, welches global gesehen immer noch als wasserreich gelten kann. Nach den Dürrejahren ab 2018 kann jedoch auch der ergiebigste Regen, selbst wenn er wochenlang gefallen ist, das Defizit nicht ausgleichen, was erklärt, warum die Böden sofort wieder staubig und trocken und eben nicht mit Wasser gesättigt waren. Der Regen konnte gut versickern, er fiel langsam genug, es gab kaum Starkregen und er kam genau richtig in die bereits erwachte Vegetationsperiode.
Leider schafft man mit fünf Toren Rückstand auch mit drei Treffern keinen Sieg, um eine Sportreferenz zu bemühen. Denn die weiter unten liegenden Bodenschichten sind so trocken, dass das Wasser sofort verschwand, um dann, nach Aufhören des Regens durch die wochenlangen stetigen und trockenen Winde quasi wieder aus dem Boden gesogen zu werden.
Zudem haben sich jahreszeitlich bedingt auch die Lufttemperaturen erhöht. Warme Luft kann pro Grad Temperaturanstieg an sich schon sieben Prozent per Feuchtigkeit aufnehmen, was der Wind nur beschleunigt. Ein Phänomen, das jeder kennt, der draußen Wäsche aufhängt und weiß wie unterschiedlich schnell diese bei gewissen Wetterbedingungen trocken wird. Diese bei Temperaturanstieg erhöhte Wasseraufnahmekapazität der Luft, deren Auswirkungen bei Starkregenereignissen, nachdem der Boden zuvor betonhart ausgetrocknet wurde, ist nur eine Facette in den Zusammenhängen des Klimawandels und wie er den Menschen und seine Umwelt direkt betrifft.
Wenn wir Euer Interesse daran geweckt haben, diese Themen für unseren Ort innerhalb dieses ganzen Spektrums zu beleuchten, meldet Euch mit Themenvorschlägen und Stichworten zum Klimawandel vor unserer Haustür bei uns.
Kontaktadresse: gruene-reichelsheim@web.de
Diese kleinen Klimabriefe aus unserer Stadt sollen aufzeigen, dass wir uns in keiner gute Situation befinden, es aber nie hoffnungslos ist. Wir werden die erkannten Probleme benennen, aber auch Möglichkeiten versuchen aufzuzeigen, wie man sich anpassen kann, um eben nicht hoffnungslos, sondern so gut es geht gewappnet zu sein. Frei nach dem Motto eines ehemaligen Reichelsheimer Pfarrers, Helmut Schütz, der gerne ein afrikanisches Sprichwort bemühte: ‚Es können viele kleine Leute, die in vielen kleinen Dörfern wohnen, viele kleine Dinge tun, die das Gesicht der Welt verändern.‘ Wir möchten versuchen in unserer Heimatstadt damit anzufangen.