Der Butzbacher Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte jüngst ortsansässige Landwirte zum Dialog und Diskussion eingeladen. Erfreulich viele Vertreterinnen und Vertreter aus der regionalen Landwirtschaft waren in den am Ende vollbesetzten Nebenraum der Bürgerhausgaststätte gekommen, wie die Grünen berichten. Darunter waren reine Ackerbau- und Mischbetriebe, Anbauer von Sonderkulturen, Leiter kleinerer Betriebe wie auch vier von Butzbachs größten Agrariern und Landwirte aus benachbarten Gemeinden.
Es war das erste Treffen, der erste direkte Kontakt dieser Art. Schnell kamen dabei die Probleme zur Sprache, auf die Bäuerinnen und Bauern im Alltag treffen: Rücksichtslosigkeiten gegenüber Landwirten und fehlender Respekt vor ihrer Arbeit, die neben der Erzeugung hochwertiger Nahrungsmittel in der Region auch Landschaftspflege umfasst.
Einer der Anwesenden betonte die immense Bedeutung, die zum Beispiel eine extensive Beweidung hat. »Meine Rinder, die im Isseltal weiden, tragen wesentlich zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft bei, ohne sie würde das Tal verbuschen.« Auch Landfraß und Flächenversiegelung zur Bereitstellung von Bau- und Gewerbegebieten durch die Kommune oder der drohende Verlust hochwertiger Böden durch Unterflurstromtrassen kamen zur Sprache, so die Grünen.
Ein reger – mitunter kontroverser – Meinungsaustausch zu Themen wie Energiewende und Flächenverbrauch, einer differenzierten Betrachtung von Pflanzenschutzmaßnahmen und ein respektvolles Miteinander auf Wiesen und Feldern sowie zwischen Verbrauchern und Erzeugern eröffnete Perspektiven für eine verstärkte Zusammenarbeit von Lokalpolitik mit lokaler Landwirtschaft.
Auch die Grünen machten deutlich, dass ihnen die Gefahr einer zunehmenden Versiegelung wertvoller Wetterauer Böden bewusst ist. »Eine einmal versiegelte Ackerfläche ist unwiederbringlich verloren und kann nie mehr zur Erzeugung wertvoller Nahrungsmittel genutzt werden«, so Jutta Schneider, Sprecherin des Ortsverbands.
Einige Landwirte bemängelten, dass oftmals zu viel Ideologie im Spiel sei, wenn politische Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden: »Wir wollen mehr einbezogen und mitgenommen werden«, war die oft geäußerte Botschaft. Gern stelle man auch die eigene fachliche Expertise zur Verfügung, so die Bauern. Insgesamt würde zu viel übereinander anstatt miteinander geredet.
Dieses Treffen empfanden alle Anwesenden daher als einen guten ersten Ansatz. Einig war man sich laut Pressemitteilung auch darin, dass es für mehr Wertschätzung mehr Transparenz der Arbeitsweise und Abläufe in der Landwirtschaft brauche. Hintergrund ist eine zunehmende Entfremdung von Verbrauchern zur von den Produkten und das allgemein nachlassende Wissen, wie derzeit Lebensmittel erzeugt werden. Ein intensiverer Kontakt zwischen Erzeugern und Verbrauchern sorge für mehr Wertschätzung, so ein Anwesender, der den direkten Kundenkontakt in der Direktvermarktung schätzt. So ergäben sich häufiger Gespräche und damit die Möglichkeit, mit Vorurteilen oder realitätsfremden, romantischen Vorstellungen aufzuräumen. Mehr Aufklärung und Information seien nötig, da waren Landwirte und Grüne sich einig.
Als Resumee haben sich die Beteiligten für weitere, vertiefte Kontakte ausgesprochen, erklären die Butzbacher Grünen. Man möchte ein Format finden, mit dessen Hilfe ein besserer Gedankenaustausch zwischen lokalpolitischen Akteuren und regionaler Landwirtschaft geschaffen werden kann. Zur Schaffung von mehr Transparenz und um herauszustellen, welche bedeutende Arbeit die Landwirte für den Erhalt der Kulturlandschaft vollbringen, aber auch, um über die Vorteile saisonaler Produkte von regionalen Höfen zu informieren, will man ein Format schaffen, wo es zu mehr Kontakt zwischen Erzeugern und Verbrauchern kommt: »Sie sollen wissen, wie und wo die Kartoffel, die sie essen, wächst«.