Omid Nouripour in Rosbach am 05.02 um 19 Uhr

„Zusammen“ steht im Augenblick auf vielen Grünen Plakaten. Dahinter steckt die berechtigte Sorge, um eine sich immer weitere auseinanderlebende Gesellschaft. Das öffnet die Türen für alle diejenigen, die mit Hass und Hetze die Teilung weiter befeuern, um am Ende unsere liberale Demokratie abzuschaffen.

Eine potenzielle Bruchstelle verläuft dabei zwischen Stadt und Land. Während in der Stadt Platz- und Wohnraummangel herrscht, stehen auf dem Land Läden und Häuser leer. Die einen haben überfüllte Kitas, die anderen müssen sie schließen, weil sie nicht mehr genug Kinder vor Ort haben. Aus der Stadt werden Autos verbannt – auf dem Land ist man auf das Auto angewiesen. Nicht zuletzt, weil der öffentliche Nahverkehr weiter eingeschränkt wird oder dysfunktional ist.

Und ja – Parteien (auch wir Grüne) und Medien schauen viel zu oft „aus der Stadt“ auf die Welt. Und hinterlassen so das Gefühl auf dem Land, dass man sich für ihre Probleme nicht interessiert.

Dabei funktioniert Deutschland nur dann, wenn Stadt und Land zusammenarbeiten. Höchste Zeit also, dass Stadt und Land endlich zusammen an einem Strang ziehen. Was wird wo produziert, gebraucht und wie sind Fördergelder richtig eingesetzt?

Natürlich war und ist der Klassiker, dass auf dem Land die Lebensmittel produziert werden, von denen sich die Menschen in der Stadt ernähren. Ländlicher Raum besteht aber nicht nur aus Landwirtschaft. Ein schwieriges Thema in unserer Region ist die Trinkwassergewinnung für die Großstadt und der zunehmende Flächenverbrauch. Seit einigen Jahren geht das Gemeinsame von Stadt und Land noch viel weiter. Auf dem Land wird mittlerweile auch die Energie produziert, die überwiegend in der Stadt verbraucht wird. Und wer sorgt nicht für CO2-Senken, wenn nicht „das Land“? Oder wo entsteht eigentlich die Frischluft, die dann durch Kälteschneisen hindurch die Städte vor Überhitzung schützen sollen?

Andererseits liefert die Stadt viele zentrale Dienstleistungen für das Umland, Einkaufen für spezielle Bedarfe, Kultur- und Sportereignisse und natürlich Arbeitsplätze.

So richtig gefunkt hat es trotz vieler Bemühungen noch nicht zwischen den Gesellschaften in Stadt und Land. Höchste Zeit also an unserer Kommunikation zu arbeiten mit dem Ziel, an einem Strang zu ziehen.