„Mega!“ – Mit „Chat“ unterwegs in Rosbach

Gemeinsam auf drei Rädern – im Alter von 3 bis 88

 „Sie haben mir so eine Freude gemacht,“ sagte eine Passagierin, und an ihren Mann gewandt: „So ein Ding kaufen wir uns auch, nicht wahr?“ Die 83-Jährige und ihr Mann haben gerade die zweite Rikscha-Tour durch Rosbach-Rodheim hinter sich. Die Begeisterung für die Spazierfahrt teilen sie mit vielen anderen: „Mega,“ sagt ein Grundschüler und sein Freund nickt. „Können wir nachher nochmal?“

 

Auf dem Bauernmarkt in Rosbach: Bei strahlendem Sonnenschein und sinkenden Inzidenzen liegt an diesem Freitag Ende Mai ein Hauch von Urlaub und Glück in der Luft. Wie jeden Freitag genießen die Besucher*innen den schönen Markt, kaufen ein oder stehen zusammen mit einem Glas Wein in der Hand um den Brunnen – und treten mit erstauntem Blick einen Schritt zurück, um ein Gefährt durchzulassen, das mit seinem orangeroten Baldachin irgendwo zwischen Hollywoodschaukel und Fliewatüüt rangiert. Amüsiertes Lächeln, freundliches Nicken, Kinder laufen ein Stück nebenher. Auf dem gut gefederten Sitz hat es sich ein Ehepaar aus Brandenburg gemütlich gemacht, das auf Verwandtenbesuch ist. Und dann geht es los: am Fahrenbach entlang, hoch auf den Weg neben dem Rosbach, über die Brücke, durchs Wohngebiet, unter der Unterführung hindurch und wieder zurück zum Markt. Freundliches Grüßen. „Sie können auch mitfahren,“ ruft die Radlerin den Umstehenden lachend zu.

Was war da los?

Die Idee der Rosbacher Grünen entstand im Rahmen der Stadtradel-Aktion „Rosbach rollt“. „Wir wollten für die Gemeinde ein Gefährt anbieten, das im Wortsinn jeden mitnimmt – barrierefrei, klimaneutral und mit Spaßfaktor,“ erklärt Michaela Colletti, GRÜNE Stadtverordnete in Rosbach, Abgeordnete im Kreistag und Direktkandidatin der Wetterauer GRÜNEN für den Bundestag. Und das gelang: Für drei Tage stellte das Dreirad-Zentrum Frankfurt die Rikscha „Chat“ zur Verfügung, ein dreirädriges Transportfahrrad mit elektronischer Tretunterstützung (die WZ berichtete), und so konnte vom 28. bis 30. Mai, wer immer wollte, zu einer Spazierfahrt einsteigen und sich vom GRÜNEN „Serviceteam“ durch das schöne Rosbach radeln lassen. Los ging es auf dem Bauernmarkt, dann von Paolos Kiosk am Rodheimer Freibad und am Sonntag von Müllers – alle umsichtig darauf bedacht, dass alle bestens versorgt waren.

Und Passagier*innen gab es viele über die drei Aktionstage hinweg: die jüngste drei, die älteste 88 Jahre alt – Paare, Familien, Freunde, Geschwister, Menschen mit und ohne Gehbehinderung. Alle nahmen in der Rikscha Platz und alle hatten Spaß. Manch Ältere war am Ende der Tour sichtlich und verständlich stolz auf die eigene Courage. „Dass ich sowas nochmal machen würde,“ staunte eine ältere Passagierin, während sie ihren Stock wieder entgegennahm. Andere Ältere kletterten zunächst vom Sohn etwas genötigt etwas unbehaglich in die Rikscha, aber nach wenigen Metern war klar: alles gut, kein Grund zur Sorge, tolle Sache. „Und wenn es Ihnen zu schnell wird, einfach sagen,“ munterte Kirsten Salein von den Rosbacher GRÜNEN ihre Fahrgäste auf, bekam aber stets ein „Nee, nee, ist schön so, fahren Sie mal!“ zur Antwort. Und das machten die Rosbacher GRÜNEN ausgiebig. Kleine idyllische Runden oder, auf besonderen Wunsch, ein Shuttle-Service zum Schwätzchen mit Pfarrer Berger, später zum Schwimmbad, wo ein schon lange nicht mehr gesehenes Familienmitglied die Sonne genoss, um und irgendwann wieder nach Hause gefahren zu werden.

Gemeinsinn, das ist das erste und erklärte Ziel der Aktion. Damit auch alle mit ins Fahrrad geholt werden konnten, wurden im Vorfeld Kirchengemeinden, heimisches Gewerbe, Vereine, der Arbeitskreis Radgerechtes Rosbach u.a. angeschrieben und eingeladen: „…eine gute Gelegenheit, sich zu bedanken für Ihr Engagement in unserer Gemeinde, dafür, dass Sie da sind.“ Und obwohl viele mit eigenen Stadtradel-Aktionen beschäftigt waren und auch Corona eine Rolle spielte, kamen etliche, unter ihnen auch Eduard Paduch, Initiator der ersten Städtepartnerschaft Rosbachs mit Ciechanowiec. Und wo es ums Gemeinsame geht, darf natürlich der Bürgermeister nicht fehlen. Und so stellte sich Steffen Maar auf dem schönen Bauermarkt gut gelaunt an die Seite der Rikscha-Aktion.

Auch die Bewohner*innen der AGO Rosbach zählten zu den geladenen Gästen. Nachdem klar war, dass dies Corona-bedingt nicht möglich war, erging nochmals eine Einladung – diesmal an die Mitarbeiter*innen. So standen drei Frauen Punkt am Freitag als allererste an der „Rikscha-Haltestelle“ auf dem Bauernmarkt: „Wir haben so eine nette Einladung bekommen, wir sind hier von der AGO.“ Und: „Dürfen wir…?“ fragt eine und holt Gläser und eine Flasche aus dem Rucksack. Aber sicher dürfen sie – einsteigen, mitfahren und genießen – die Fahrt, ihren Sekt und eine (kleine) Wertschätzung.

Es wollten noch so manche mitfahren. Wenn keiner wartete, trommelten die „Wilden Kerle“ aus der Grundschule. Sie wollten „Mit Moritz!“ fahren. Moritz Himmelreich, Abiturient und GRÜNER Stadtverordneter ist eindeutig der schnellste im GRÜNEN Team. „Können wir nochmal?“ „Klar,“ sagt Moritz und schwingt sich aufs Rad. „Mega!“

[FOTO: Seite an Seite, wo es ums Gemeinsame geht: Die GRÜNEN Betina Quägber-Zehe, Moritz Himmelreich, Kirsten Salein und Minh Goertz mit Bürgermeister Steffen Maar und zwei begeisterten Passagierinnen auf dem Bauernmarkt]